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Lexikon der Therapie- und Diagnoseformen

Akupunktur

Autorin: Silja Thiemann, Hufeisen 27a, 41352 Korschenbroich
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In die ausgewählten Akupunkturpunkte wird eine feine Nadel gesetzt, deren Durchmesser ca. 10-fach dünner ist als bei der Injektionskanüle. Professionelles Vorgehen und Verwendung steriler, hochwertiger Einmalnadeln vorrausgesetzt, wird der Einstich oft nur als kleiner »Pieks« empfunden, häufig gefolgt von einem leichten Schwere-, Wärme- oder Druckgefühl oder auch einem Gefühl der »Elektrisierung«. Bei den japanischen Nadeltechniken der Meridiantherapie ist ein Schmerzreiz sogar gänzlich unerwünscht. Zusätzlich wird die Nadel, je nach gewünschter Wirkung, zusätzlich stimuliert, z.B. durch Drehen, Erwärmen mit Moxa oder auch durch geringen Strom.

Bei der Körperakupunktur werden die Nadeln in Punkte gesetzt, die als Energiezentren auf den sog. Energieleitbahnen über den ganzen Körper verteilt sind. Über diese Leitbahnen lassen sich alle Organe und Körperfunktionen ansprechen und beeinflussen. Ziel der Behandlung ist, das Gleichgewicht im Zusammenwirken der Organe und Funktionen wieder herzustellen.

In moderner Zeit entwickelten sich Akupunkturkonzepte, die sich nur auf bestimmte Areale beschränken, wie z.B. die Ohrakupunktur, Hand- oder Schädelakupunktur. Ähnlich wie bei den Fussreflexzonen geht man hier davon aus, dass sich der ganze Körper in diesen Zonen widerspiegelt.

Entstehung

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Entstanden ist die Akupunktur vor über 2000 Jahren in der schamanistischen Tradition in China. Diese Art der Erfahrungsheilkunde rief hilfreiche Geister, um damit böse Dämonen (chin. Gui) zu vertreiben. Heute kann man nur vermuten, zu welchem Zwecke Nadeln aus Stein, Horn und Knochen eingesetzt wurden, sei es zum »Erstechen der eingedrungenen Dämonen« im Körper oder möglicherweise mit dem Ziel, Öffnungen in der Haut zu hinterlassen, durch die dann die Geister, die einen Kranken besessen hatten, entweichen sollten.

Der Konfuzianismus führte das Konzept des Qi (veraltete Schreibweise: Chi) statt dem Glauben an böse Geister in die Heilkunde ein. Das ganze Universum folgt einer harmonischen Ordnung, die auf einem Gleichgewicht zwischen polaren Kräften beruht (Yin und Yang). Von den Menschen wird verlangt, dass sie sich durch tugendhaftes Verhalten in diese Ordnung einfügen. Krankheit entsteht durch Fehlverhalten jenseits moralischer Korrektheit.

Der Daoismus wertete weniger die moralische Anpassung an die Gesellschaft als oberste Maxime, sondern sah die spirituelle, individuelle Weiterentwicklung jedes Einzelnen als wichtiger an. Unsterblichkeit könne erreicht werden, wenn im Einklang mit der Natur und dem Kosmos gelebt würde.

Unter Einfluss dieser drei Strömungen entwickelte sich die Akupunktur als einenständige Therapieform innerhalb der (klassischen) chinesischen Medizin. So müssen eigentlich die Kräuterheilkunde und die Akupunktur als getrennte Konzepte aufgefasst werden, jeweils mit eigenen Erklärungs- und Syndrommodellen, sowie eigenständigen Diagnosen, wie dies in Japan erhalten geblieben ist. Dort ist ein Therapeut entweder Akupunkteur oder er ist im Kempo, der Kräuterheilkunde, ausgebildet. In China kam es durch die kommunistische Machtübernahme und Entstehung der TCM zu einer unheilvollen Vermischung beider Konzepte in Lehre und Praxis.

Formen der Akupunktur

1. Anästhesie-Akupunktur

Sie wurde in den 1960gen im Westen bekannt und gewann durch spektakuläre Fernsehberichte eine gewisse Popularität. Bei dieser Form wird durch Nadelung bestimmter Akupunkturpunkte und Stimulation der Nadeln mit Strom bei vollem Bewusstsein des Patienten eine Ausschaltung des Schmerzempfindens erreicht. Nachteile dieser Technik ist zum einen, dass der Patient den Eingriff voll miterleben muss, aber v.a. die Gefahr des vorzeitigem Wirkungsverlustes in mehr als 30% der Fällen. Daher hat diese Form der Akupunktur heute (auch in Asien) nur noch Bedeutung bei kleinen Eingriffen bei Risikopatienten, z.B: bei Schwangerschaft, Allergien gegen Anästhetika und in der Zahnmedizin.

2. »Barfuss-Arzt«-Akupunktur

Zu Beginn der kommunistischen Machtergreifung wurde die klassische chinesische Medizin weiterhin als überholtes, veraltetes Gedankengut verteufelt. Als sie dann während der Kulturrevolution plötzlich wiederentdeckt wurde, kam es zu einer Verstümmelung der eigentlichen Konzepte, denn jegliche spirituelle Bedeutung wurde »entrümpelt«. Die Partei brauchte für ein desolates Gesundheitssystem innerhalb kürzester Zeit viele sog. »Barfussärzte«, die schnell ausgebildet wurden, um dann in den Provinzen die Erstversorgung übernehmen zu können. Dabei ging es bei ernsthaften Erkrankungen oft auch darum, die Patienten transportfähig zu bekommen, um sie überhaupt zu einem kompetenten Arzt, bzw. zur Klinik bringen zu können.

Diese Form der Akupunktur beruht auf Punktkombinationen, die sich bei bestimmten Symptomen bewährt haben. Wie in einem Kochbuch gibt es Rezepturen zur Akupunktur bei bestimmten Symptomen. Die Nadeln lindern den Schmerz für einige Tage/Wochen, behandeln allerdings nicht die Ursache! (bildlich gesprochen: der Feuersirene wird das Stromkabel durchtrennt, es ist wieder Ruhe). Bis heute ist diese Form der Akupunktur auch im Westen sehr verbreitet. In wenigen Wochenenden, bzw. Wochen ist diese Form schnell erlernt und einfach und zeitsparend in der Praxis anzuwenden.

3. Akupunktur im Kontext der Chinesischen Medizin

Hier wird das Symptom als ein Hilferuf des Gesamtorganismus verstanden. Dem Therapeuten stellt sich nun die Frage, wo sitzt die eigentliche Ursache? Denn er will nicht einfach das Symptom beseitigen.

Die Kunst ist das Erkennen und Beseitigen der Wurzel allen Übels. Dafür ist eine intensive Schulung der diagnostischen Fähigkeiten des Therapeuten notwenig, und die Ausbildung dauert mehrere Jahre. Jeder Patient ist ein Individuum und reagiert ganz speziell. So können auch mehrere Patienten mit dem gleichen Symptom, z.B. Rückenschmerzen, jenes aus ganz unterschiedlicher Ursache haben. Entsprechend müssen sie auch unterschiedlich behandelt werden.

So ist die ausführliche Pulsdiagnose untrennbar mit dieser Akupunkturform verbunden. Erst sie liefert dem geschulten Therapeuten die nötigen Informationen, genau für diesen Patienten hier und heute die richtigen Punkte zur Behandlung auszuwählen.

© Silja Thiemann. Alle Rechte liegen bei der Autorin.

Siehe auch: Akupunktmassage · Chinesische Medizin · Elektroakupunktur · Homöosiniatrie · Laserakupunktur · Lebenspflege nach chinesischer Medizin · Ohrakupunktur · Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) · Sotaiho

Veröffentlicht am 09.11.2006, zuletzt geändert am 16.02.2011.

Literatur

Adressen zum Thema »Akupunktur«

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