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Lexikon der Therapie- und Diagnoseformen

Ambulante Regressionstherapie (ART)

Autorin: Irene Behrmann, Altenceller Weg 58, 29331 Lachendorf
Externer LinkHomepage im Internet

Die ART ist eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und eine Traumatherapie. Sie wurde in fünfjähriger Arbeit seit 1992 entwickelt. »Tiefenpsychologisch fundiert« bedeutet, dass bestimmte Begriffe der Psychoanalyse Sigmund Freuds in abgewandelter Form verwandt werden (z. B. Verdrängung, Unbewusstes, Übertragung).
Die ART ist eine »Traumatherapie« deswegen, weil es mit dieser Methode möglich ist, verdrängte und vergessene traumatische Erlebnisse behutsam aufzuarbeiten.
Traumen werden verstanden als unverarbeitetes Erleben, welches überfall- oder schockartig erlitten und überlebt wurde, bei dem jemand ganz allein und hilflos war und bei dem jemand zu jung war, um ein Geschehen einordnen oder verstehen zu können. Traumatisch sind aber auch Lebensumstände, die von Krankheit, Gewalt, Armut, Hunger, Kriminalität und Missachtung überschattet sind. Menschen mit solch einer Kindheit mussten sich oft sehr stark unterwerfen und anpassen, um wenigstens etwas Liebe zu bekommen.
Traumatisches Erleben wird vom Gehirn genauestens aufgezeichnet. Und was man sich leicht vorstellen kann: Wenn einem traumatisierten Menschen im späteren Leben irgend etwas begegnet, was an das ursprünglich traumatische Geschehen erinnert, tauchen unangenehme Gefühle bis hin zu Panikattacken und vegetative Stress-Reaktionen wie Schweißausbrüche, Herzklopfen, Atemnot, usw. auf.
Solange diese Symptome nicht verstanden werden als Warnung vor einem erneuten Trauma, ist die Symptomatik häufig ständiger und lästiger Begleiter des Menschen. Verstehen wir aber den Sinn solcher Symptome wie eine Warnung : ?Pass auf, gleich passiert wieder das Schreckliche..., schütze dich, lauf weg oder kämpfe...?, so lernt die Patientin/ der Patient allmählich, die Symptome zu verstehen. Gelingt es dann noch, ein ursprüngliches Trauma aufzuklären, sind die Symptome nicht mehr nötig. Vergangenes Geschehen kann ja von gegenwärtigen Erlebnissen unterschieden werden.

Die Neuro-Biologie, welche die Funktionen des Gehirns untersucht und beschreibt, lehrt uns, dass alles was in Nervenzell-Netzwerken aufgezeichnet wurde, durch unsere sieben Sinne hindurch ins Gehirn gelangt. Bei der ART kommen darum nur solche Inhalte ins Bewusstsein, die zuvor – in welchem Lebensalter auch immer – gespeichert wurden.
Traumen können sich bereits pränatal (vorgeburtlich), bei der Geburt und im Kleinstkindalter ereignet haben. Sie können Ursache vieler unerklärlicher körperlicher und seelischer Leidenszustände sein, weil es bewusste Erinnerungen aus dieser Zeit nicht gibt. Anders ist es jedoch mit körperlichen und emotionalen Erlebnissen (Kälte, Hunger, Druck, Schmerz, - Angst, Wut, Trauer usw). Diese werden registriert und aufgezeichnet. Das ist deswegen möglich, weil jeglichem Spüren und Fühlen Botenstoffe und Peptide, zugrunde liegen. Auch diese frühesten Erlebnisse sind bei entsprechender Bereitschaft einer Bearbeitung zugänglich. Die gegenwärtige Neuro-Biologie kann die Logik von Symptomen, deren Entstehung und Auflösung bestens erklären.

Die ART verbindet die Gesprächs- und Körpertherapien miteinander: Zeitgleich können körperliche, emotionale und kognitive (das Verstehen, Verhalten, Schlussfolgern, Träumen usw. betreffend) Symptome einer Bearbeitung zugänglich werden.
Diese Methode ist ein für Patienten sicherer, selbstbestimmter und aktiver Prozess des inneren Zurückgehens. Weil Patienten das Tempo der Therapie selbst bestimmen, werden sie zu keiner Zeit überfordert. Vergessenes und verdrängtes Erleben kommt Schritt für Schritt ins Bewusstsein. Körperliche Berührung würde den sensiblen Wahrnehmungsprozess bei dieser Arbeit stören. Im Unterschied zu den gängigen Gesprächstherapien werden körperliche und emotionale Symptome bewusst in den Therapie-Prozess mit einbezogen. Im Unterschied zu Körpertherapien finden keinerlei körperliche Berührungen statt, sondern der Fortgang der Therapie orientiert sich ausschließlich an bei sich selbst wahrgenommenen Symptomen.

Regressionsarbeit praktisch

Patientinnen und Patienten werden eingeladen, sobald sie es sich zutrauen, liegend und mit geschlossenen Augen in sich hineinzuspüren. Sie erfahren zuvor, dass innere Wahrnehmungen, besonders somatische Symptome wie Schmerzen, Ziehen, Reißen usw., helfen, bestimmten Ursprungserlebnissen auf die Spur zu kommen. Die liegende Position dient einzig dem Zweck einer optimalen Innenwahrnehmung. Patienten lernen in kurzer Zeit, den Regressionsprozess selbst zu bestimmen, und sie können den Regressionsprozess unbeschränkt jederzeit hinterfragen oder unterbrechen. Es werden keine atem- oder hypnotherapeutischen Techniken angewandt.

Elementare Bedingungen für eine selbstbestimmte Regressionsarbeit

1. Die Klienten sind Experten ihres individuellen Erlebens, ihrer eigenen Biografie und die Strategen ihrer eigenen Weiterentwicklung. Sie bestimmen die Themen der therapeutischen Gespräche und das Tempo der jeweiligen Sitzung.
2. Dem Selbstausdruck (mit Worten, manchmal Stimme) in der Therapie kommt eine bedeutende Funktion zu.
3. Klienten brauchen Vertrauen in die Therapiesituation, die ruhig, übersichtlich und berechenbar sein muss. Die Klienten müssen sich vollständig sicher und angenommen fühlen.
4. Jede Störung des Prozesses der Selbstwahrnehmung sollte unterbleiben. Man braucht also einen abgeschirmten, freundlichen Raum und eine bequeme, nicht zu schmale Liegefläche.

Was Patienten in der Therapie erleben

Finden die genannten vier Punkte Beachtung, dann erleben Patienten, dass sie ihren seelischen Fortschritt selbst organisieren können. Das wiederum wirkt sich ich-stärkend aus, denn es ist eine positive Selbsterfahrung, sich selbst ordnen zu können. Klienten erleben, dass sie prinzipiell richtig funktionieren, und sie können allmählich nachvollziehen, dass ihr Organismus, Ihr Fühlen und Denken unbewusst immer noch auf ein ursprüngliches Erleben reagiert.
Traumatisches Erleben ist wie eingefrorene Erfahrung. Der Mensch reagiert mit ständigem Auf-der-Hut-sein. Darin liegt die Logik des Nicht-Abklingens von Symptomen. Damit Symptome aber nachlassen können, muss deren Entstehung geklärt werden. Es muss versucht werden, die Folgerichtigkeit von Symptomen aller Art aufzudecken vor dem Hintergrund der eigenen Biografie.
Bei den Patienten liegt die letzte Zuständigkeit im Aufspüren der Ursachen und bei der Bewältigung ihrer heutigen Schwierigkeiten, nicht beim Therapeuten. Wenn ein Patient diese aktive Rolle bei der therapeutischen Selbst-Entwicklung nicht Schritt für Schritt annimmt, steht er eventuell seiner Genesung selbst im Wege.

Die Aufgabe der Therapeuten

Therapeuten können den Fortgang der Therapie fördern, indem sie mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen ihre Patienten verlässlich begleiten. Sie sind ein präsentes Gegenüber im therapeutischen Prozess und unterstützen die Menschen bei der Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse. Die therapeutische Begleitung besteht im sorgfältigen Mitgehen beim Selbst-Wahrnehmungsprozess und beim Selbst-Ausdruck der Patienten. Um diese Begleitarbeit kompetent ausüben zu können, ist es erforderlich, dass Selbsterfahrung mit dieser Methode erfolgt, was Teil der Fortbildung für Therapeuten ist.

Fortbildung und Therapeutensuche

Interessierte finden unter Externer Linkwww.ambulante-regressionstherapie.de ein Therapeutenverzeichnis. Therapeuten mit eigener Praxis und Erfahrung können sich in zweijähriger Intensiv-Fortbildung qualifizieren.

Weiterführende Literatur zu Pränataltraumen: Externer LinkInternationale Studiengemeinschaft für pränatale und perinatale Psychologie und Medizin

© Irene Behrmann. Alle Rechte liegen bei der Autorin.

Siehe auch: Somatic Experiencing (SE) · Traumatherapie · Traumatic Incident Reduction (TIR)

Veröffentlicht am 12.11.2006, zuletzt geändert am 16.02.2011.

Literatur

Adressen zum Thema »Ambulante Regressionstherapie (ART)«

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