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Lexikon der Therapie- und Diagnoseformen

Autogenes Training

Autorin: Martina Rosemarie Mangold, Am Fort Gonsenheim 35, 55122 Mainz
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Wer hat AT »erfunden«?

Johannes Heinrich Schultz (1884-1970), niedergelassen als Nervenarzt in Berlin. Das AT nimmt in seinem Leben die herausragende Rolle ein. Er hinterließ ungefähr 400 Publikationen. Sein wichtigstes Werk: »Das Autogene Training – Konzentrative Selbstentspannung – Versuch einer klinisch-praktischen Darstellung«. Dieses Werk erschien 1932: bisher in 19. Auflage und in 6 Sprachen übersetzt. Es löste tausende von Veröffentlichungen in den psycho-therapeutischen und psychatrischen Fachzeitschriften aus.

AT ist ein vom eigenen Selbst her entstehendes und das eigene Selbst gestaltendes systematisches Übungsverfahren. Definition AT nach J.H. Schultz: »Ein vom Selbst (autos) sich entwickelndes (genos=werden/entstehen) und das Selbst gestaltendes, systematisches Üben«. »Üben« findet sich beim AT in der Bezeichnung »Training« wieder. Es wird eine gewisse Disziplin gefordert, ein immer wiederkehrendes Tun, um daraus irgendwann für sich einen Vorteil zu erfahren.

Grundstufe des AT: sechs Formeln, die eingeübt werden. Im Laufe der Jahre kam als siebte Formel das »Nacken/Schulterfeld« dazu. Die Formeln beziehen sich auf bestimmte Organe bzw. Partien des Körpers, sind also physiologisch orientiert.
AT ist ein aktiv-autohypnotisches Verfahren.

Einsatzgebiete des AT

Mit AT kann man die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität steigern sowie ernsthaften Erkrankungen und Problemen vorbeugen. Auch bereits existierende Probleme können wirkungsvoll bekämpft werden. AT eignet sich hervorragend zur Vorbeugung von Zivilisationskrankheiten wie Stress, Verspannungen oder Burn-out-Syndrom. Es hilft, kleinere Anspannungen, die beispielsweise aus Ärger oder Wut oder aus beruflicher Überlastung resultieren, aufzulösen und abzubauen. Im Zustand innerer Ruhe reagiert man weniger empfindlich auf äußere Störfaktoren wie Lärm oder auf eigene negative Empfindungen wie Angst. Die Psyche und die Gesundheit werden gestärkt und man ist bestens gewappnet für hektischere Zeiten. Stress, Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen sind nur einige Beispiele für Befindlichkeitsstörungen, die mithilfe des AT gelindert und behoben werden können.

Wirkung des AT

Vegetative Umschaltung durch AT:

Mithilfe des AT wird das vegetative Nervensystem direkt beeinflusst. Durch regelmäßiges Üben werden die Umschaltvorgänge von sympatischer Erregung auf parasympatische Erholung verinnerlicht und automatisiert. Der Körper merkt sich die Abläufe und schaltet immer schneller auf Entspannung um.

Aufgabenteilung zwischen motorisch-sensorischen und vegetativem Nervensystem (NS):

Das motorisch-sensorische NS regelt weitestgehend das Verhältnis zwischen dem Körper und der Außenwelt. Es leitet unter anderem die Sinneseindrücke wie Lärm, Temperatur oder Schmerz an das Gehirn weiter und erteilt desm Bewegungsapparat (Muskeln, Knochen, Gelenke etc.) die Befehle zur Aktion. Am Tag ist das motorisch-sensorische NS aktiv, während es in der Nacht weitestgehend ruht.

Das vegetative NS ist für das Innenleben des Körpers verantwortlich. Es steuert die elementaren Körperfunktionen wie Wärmehaushalt, Atmumg, Stoffwechsel, Blutdruck und Herzfrequenz. Diese Vorgänge laufen weitestgehend unbewusst ab, ohne den willentlichen Einfluss des Menschen. Im Gegensatz zum motorisch-sensorischen NS ist das vegetative Nervensystem permanent in Aktion, auch im Schlaf.

Das vegetative NS kann bezüglich seiner Funktionen wiederum im Sympathikus und Parasympathikus aufgeteilt werden. Diese beiden Nervenstränge fungieren quasi als Gegenspieler und ergänzen sich. Der Sympathikus ist für die Leistungsbereitschaft des Körpers zuständig, weshalb seine Erregung am Tag höher ist als in der Nacht. Der Parasympathikus sorgt für Ruhe, Entspannung und Regeneration, weshalb sein Erregungszustand im Schlaf, also im Zustand der Ruhe und Entspannung höher ist.

Die Funktionen von Sympathikus und Parasympathikus

Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht die Funktionen der beiden Systeme:

Körperbereich, Funktion

Folgen der Erregung des Sympathikus im Leistungszustand

Folgen der Erregung des Parasympathikus im Erholungszustand

Herzfrequenz

Herz schlägt schneller

Herz schlägt ruhiger

Pupillen

Erweiterung

Verengung

Blutgefäße

Verengung

Erweiterung

Blutdruck

Zunahme

Abnahme

Speichelabsonderung

Verminderung

Zunahme

Verdauung

Verminderung

Erhöhung

Atmung

Beschleunigung, Intensivierung

Verlangsamung, Abflachung

Schweißproduktion

Verstärkung

Abschwächung

Muskelspannung

Verstärkung

Abnahme

Was passiert bei den einzelnen Übungen?

Bei der Schwereübung lockert sich der Spannungszustand der quergestreiften willkürlichen Muskulatur. Die quergestreifte willkürliche Muskulatur, auch Skelettmuskulatur genannt, da die Muskulatur mit Hilfe von Sehnen am Skelettsystem (den Knochen) befestigt ist, wird durch unseren Willen angespannt und wieder entspannt. Mit Hilfe des AT werden Verspannungen im Bereich der willkürlichen Muskulatur gelöst und die Skelettmuskulatur wird ruhiggestellt. Regelmäßiges AT beugt Muskelverspannungen vor und ist hilfreich bei Rücken- und Kopfschmerzen.

Bei der Wärmeübung wird die glatte, nicht willkürliche Muskulatur entspannt. Die glatte, nicht willkürliche Muskulatur befindet sich in den Hohlorganen (Magen, Darm, Blase, Uterus) und in den Gefäßen. Sie unterliegt nicht unserem Willen, sondern wird durch das vegetative Nervensystem (NS) beeinflusst.

Im AT bedienen wir uns eines »Tricks«: durch die Wärmevorstellung geben wir einen Befehl an den Nervus Vagus (Parsympathikus), die glatte unwillkürliche Muskulatur zu entspannen (Nervus Vagus ist Teil des vegetativen NS). Das Ergebnis: Weitstellung der Gefäße. Dadurch strömt mehr Blut durch die Gefäße. Zuerst werden die Extremitäten erwärmt, danach andere Bereiche.

Bei der Atemübung geschieht folgendes: durch die Beruhigung der Atmung werden das Zwerchfell und die Atemhilfsmuskulatur entspannt. Aufgrund der tieferen Ausatmung kommt es zu einer besseren Kohlendioxydentgiftung der Lunge. Dadurch nimmt letztendlich der Sauerstoffanteil im Blut zu.

Bei der Herzübung wirkt der Nervus Vagus mittels Vorstellung der gleichmäßigen Herzarbeit verstärkt auf das Reizleitungssystem des Herzens ein. Eine relative Beruhigung tritt ein und der Herzschlag wird regelmäßig. Eine weitere Wirkung des Nervus Vagus am Herzen ist die Entspannung der Herzkrankgefäße. Das Herz wird besser durchblutet.

Während der Bauchübung erweitern sich die Blutgefäße. Insgesamt kommt es zu einer Entspannung des Magen-Darm-Trakts.

Die Stirnübung beeinflusst die Aktivität der Hirnströme positiv. Das Nervensystem kann sich quasi ausruhen (ähnlich wie beim Schlafen).

Die »Formeln« des AT:

© Martina Rosemarie Mangold. Alle Rechte liegen bei der Autorin.
Veröffentlicht am 04.10.2008, zuletzt geändert am 16.02.2011.

Literatur

Adressen zum Thema »Autogenes Training«

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