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Lexikon der Therapie- und Diagnoseformen

Freie Systemische Aufstellungen

Autorin: Jacqueline Jacobsen, Schwarzdornweg 3, 76149 Karlsruhe
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Das Konzept der Freien Systemischen Aufstellungen wurde 2002 von Olaf Jacobsen begründet. Doch zunächst:

Was sind Aufstellungen? Was kann man sich darunter vorstellen?

Die Systemischen Aufstellungen sind vor allem durch Bert Hellinger unter dem Begriff »Familienstellen« oder »Familienaufstellungen« bekannt geworden. Aufstellungen gibt es in unzähligen Varianten und ihre Form ist u.a. von der Person abhängig, die die Aufstellung begleitet bzw. leitet.

Folgende Varianten sind mir bis dato bekannt und im Rahmen der Freien Systemischen Aufstellungen möglich:

In der Regel läuft es so ab, dass sich eine Gruppe von Menschen findet, die sich für die Aufstellungen einander zur Verfügung stellen – meist organisiert in Workshops und/oder Wochenend-Seminaren. In den meisten Fällen gibt es einen sogenannten Aufstellungsleiter, der die Aufstellungen (beg-)leitet. Eine Person wird ausgewählt, die ihr Thema aufstellen darf. Bei den traditionellen Aufstellungen wird in der Regel vorher das Thema kurz erzählt. Der Aufstellungsleiter berät die aufstellende Person, wie und mit welchen Stellvertretern sie das Thema aufstellen kann. Die aufstellende Person oder auch der Aufstellungsleiter wählen aus der Gruppe die benötigten Stellvertreter aus.

Beispiel: Hat die aufstellende Person ein Problem mit ihrer Ehe, dann wird der Aufstellungsleiter ihr höchst wahrscheinlich empfehlen, ihre Familie aufzustellen. D.h. es wird eine Person aus der Gruppe ausgesucht, die die aufstellende Person selbst darstellen soll, dann ein weitere Person für den Ehepartner und evtl. (falls vorhanden) weitere Personen, die die Kinder des Paares darstellen.

Sind alle zu Anfang benötigten Stellvertreter ausgewählt, platziert die aufstellende Person die ausgewählten Stellvertreter einer nach dem anderen im Raum. Dafür berührt sie jeden Stellvertreter mit beiden Händen an den Schultern und führt sie so nach ihrem Gefühl durch den Raum, bis sie einen stimmigen Platz gefunden hat. Die Stellvertreter beginnen nun in sich hineinzufühlen. Nach einer Weile beginnt der Aufstellungsleiter einen Stellvertreter nach dem anderen nach seinen Gefühlen und Impulsen zu befragen:

In den meisten Fällen kann die aufstellende Person bestätigen, dass die berichteten Gefühle und Impulse der Stellvertreter mit denen der realen Personen übereinstimmen.
Über die natürliche »Gefühls-Telepathie« (Matthias Varga von Kibéd nennt es die »repräsentierende Wahrnehmung« und Albrecht Mahr »das wissende Feld«) stehen die Stellvertreter in Resonanz mit der aufstellenden Person. Es ist immer wieder faszinierend zu erleben, dass die Stellvertreter in einer Weise agieren, die eine sehr große Ähnlichkeit aufweist, wie die aufstellende Person die wirklichen Personen erlebt. Warum ist es so? Olaf Jacobsen durch jahrelange Beobachtungen der Freien Systemischen Aufstellungen und des Alltags, dass die repräsentierende Wahrnehmung immer genau in dem Augenblick entsteht, in dem wir uns einer anderen Person zur Verfügung stellen. »Zur Verfügung stellen« heißt: ihr helfen wollen, sie verändern wollen, Erwartungen an sie haben etc. Dabei ist es egal, ob wir uns als »helfender« Stellvertreter in einer Aufstellung oder im Alltag befinden.

So repräsentiert eine Aufstellung bzw. ein Stellvertreter das innere Bild, die innere Haltung der aufstellenden Person. Und im Alltag: die Menschen, mit denen Sie in Kontakt treten, können mit ihrem Verhalten Ihnen gegenüber Ihre innere Haltung widerspiegeln. Haben Sie Probleme mit dem Verhalten des anderen (= Ihr eigener Spiegel), so können Lösungen bzw. Veränderungen (in Aufstellungen und im Alltag) nur in Ihnen selbst (der aufstellenden Person) erfolgen. In diesem Fall kann sich das Verhalten des anderen verändern, sobald Sie Ihre innere Haltung ihm gegenüber ändern. Verändert sich das Verhalten des anderen nicht, nachdem Sie sich verändert haben und mit ihm kein Problem mehr haben, kann es für Sie auch ein Zeichen sein, dass der andere Mensch so ist wie er ist.

Doch nun zurück zu den Aufstellungen: Bei den traditionellen Aufstellungen beginnt dann der Aufstellungsleiter nach seinen Erfahrungen, seinem Wissen und seiner Intuition die Aufstellung zu verändern, z.B. in dem er die Stellvertreter auffordert, sich frei zu bewegen, die Stellvertreter selbst umstellt oder weitere Stellvertreter dazustellt, Fragen stellt, einen Stellvertreter ganz bestimmte Sätze zu anderen Stellvertretern sagen lässt.

Die aufstellende Person kann eine Aufstellung dazu nutzen, ihr Anliegen aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen und zu verstehen. Der durch die Aufstellung gebotene Spiegel, der auch den unbewussten Teil eines Problems ans Licht bringen kann, kann nun bewusst zur Lösung der gegenwärtigen Probleme und Anliegen genutzt werden. Die liebe- und verständnisvolle Atmosphäre bietet Raum für tiefe Lösungs- und Erkenntnisprozesse und um Erfahrungen mit neuen Verhaltensweisen zu machen. Diese Änderung (bzw. Lösung) lässt sich in den Aufstellungen sehr gut nachvollziehen, da die Stellvertreter sofort auf jede Veränderungen der inneren Haltung der aufstellenden Person reagieren und dies deutlich aufzeigen.

Wie bereits schon oben erwähnt, ist die Art und Weise, wie die Aufstellungen vom Aufstellungsleiter begleitet werden so vielfältig, wie es Aufstellungsleiter gibt. Jeder macht es anders.
Es gibt Aufstellungsleiter, die ganz extrem führen, alles entscheiden, wobei die aufstellende Person nur zuschaut. Ich habe in so einem Fall die Erfahrung gemacht, dass sich manchmal in der Aufstellung nicht nur das Problem der aufstellenden Person widerspiegelt, sondern auch die des Aufstellungsleiters. Ist dies dem Aufstellungsleiter nicht bewusst, dann kann es bei der aufstellenden Person manchmal zu heftigen Verwirrungen führen.
Und dann gibt es Aufstellungsleiter, die der aufstellenden Person sehr viel Aufmerksamkeit schenken, sich stark nach ihren Bedürfnissen richten und sich den Wünschen und Bedürfnissen der aufstellenden Person unterordnen wie bei den Freien Systemischen Aufstellungen.

Was ist nun der Unterschied zwischen den Freien Systemischen Aufstellungen und den traditionellen Aufstellungen?

Bei den freien Aufstellungen entscheidet das Universum, wer aufstellen darf, d.h. es wird gelost. Wer an zwei Terminen nicht ausgelost wurde, darf beim 3. Mal auf jeden Fall aufstellen bzw. hat einen Vorrang vor anderen Teilnehmern. Es gibt eine Liste, auf der sich jeder eintragen darf, der pro Tag nicht ausgelost wurde.
Bei den traditionellen Aufstellungen ist es meist so, dass der Aufstellungsleiter entscheidet, wer aufstellen darf. Ich habe es aber auch schon so erlebt, dass alle Teilnehmer gleichzeitig in sich hineinspüren, wer jetzt mit Aufstellen dran ist und dann diese Person anschauen sollen. Die Person, die dann die meisten Blicke auf sich zieht, darf dann aufstellen.

Die aufstellende Person steht mit ihren Wünschen, Bedürfnissen und auch Grenzen an erster Stelle. Das Wörtchen "frei' bezieht sich auf die freien Entscheidungsmöglichkeiten der aufstellenden Person und auf die Freiheit aller Teilnehmer, ob und wie sie der aufstellenden Person für ihr Thema oder Aufstellung zur Verfügung stehen wollen.
Die aufstellende Person entscheidet über die Form und Grenzen ihrer Aufstellung - sie hat die Wahl:

Die Gruppe, d.h. der Moderator (im traditionellen Aufstellen ist es der Aufstellungsleiter), die Stellvertreter und die zuschauende Gruppe ordnen sich der aufstellenden Person unter und stehen ihr gleichzeitig beratend zur Verfügung in den Grenzen, wie sie es möchte. So werden jene Schritte achtungs- und würdevoll begleitet und durch die gesamte Gruppe unterstützt, die in diesem Moment für die aufstellende Person möglich und erwünscht sind.

Die aufstellende Person hat jeder Zeit die Möglichkeit, ihre Aufstellung zu beenden – der Wunsch wird von allen geachtet, auch wenn es scheinbar noch keine 'Lösung' gibt und alle anderen die Lösung (scheinbar) »sehen«. Inwieweit es bei den traditionellen Aufstellungen möglich ist, weiß ich nicht, da dieser Fall doch sehr selten eintritt, dass jemand seine Aufstellung vor dem sogenannten Lösungsbild beenden will und das auch äußert.

Am Ende einer Aufstellung findet bei den traditionellen Aufstellungen häufig ein Entlassungsritual aus den Stellvertreterrollen statt, z.B. indem die aufstellende Person sich bei jedem Stellvertreter bedankt und sagt: »... und jetzt bist Du wieder (den richtigen Namen der Person).« oder auch andere Sätze. Oder die Stellvertreter gehen mit einem großen Schritt aus der Rolle, streichen sich über den ganzen Körper, um die Rolle abzustreifen ...

Bei den Freien Systemischen Aufstellungen hat jeder die Wahl. Die Stellvertreter, die ein Entlassungsritual wünschen, erhalten dies. Oder aber die Stellvertreter sagen sich selbst den Satz: » ... und jetzt stehe ich nicht mehr zur Verfügung.«, wodurch meistens alle stellvertretenden Gefühle verschwinden. Bleiben Gefühle zurück, dann kann es sein, dass das Thema der Aufstellung bei dem Stellvertreter ein eigenes Thema berührt hat, das mit diesen »bleibenden« Gefühlen zum Vorschein kommt.

Als Stellvertreter können Sie in den Freien Systemischen Aufstellungen auch die faszinierende Erfahrung machen, dass Sie Ihrem Gefühl und spontanen Handlungen immer vertrauen können. Sie werden erleben, dass auch die absurdesten Impulse oder Sätze, die sie in einer Aufstellung ausdrücken ganz genau in das Thema oder zu der Rolle passt, die sie 'spielen'.

Beispiel: Eine Frau stellte verdeckt auf. Auf einmal fing eine der Stellvertreterinnen an zu tanzen. Als sie dann später aufdeckte, stellte sich heraus, dass die tanzende Stellvertreterin ihre Bauchtanzlehrerin war.
oder
Ein Teilnehmer stellte ebenfalls verdeckt auf. Mitten in der Aufstellung kommt meine Tochter ins Zimmer und bitte mich leise, die Batterie in ihrer Spielzeug-Lokomotive zu wechseln. Nachdem der Teilnehmer aufdeckte, stellte sich heraus, dass er ein Thema mit seiner Modelleisenbahn-Sammelleidenschaft aufgestellt hatte.

Auch wenn es manchmal nicht so scheint. Die so scheinbar »unzuverlässigen« oder »seltsamen« Gefühle oder auch scheinbaren »Störungen« im Außen können auch in und durch Krisen führen, die sehr heilsam neue Erkenntnisse eröffnen und zu wunderbaren Lösungen führen können – in den Aufstellungen und im Alltag. Somit bieten die Freie Systemischen Aufstellungen die Möglichkeit, die eigenen und auch die Gefühle und Handlungen anderer zu verstehen und zu erkennen, dass alles absolut richtig und stimmig ist.

Die Eigenverantwortung

Im Alltag stellen unsere Blockaden und Hemmungen einen wichtigen Schutz für uns dar. Um auch in Aufstellungen die Teilnehmer (aufstellende Person, Stellvertreter) nicht zu überfordern, ist es wichtig, dass die Grenzen aller nicht ungewollt überschritten sondern geachtet werden. Die Eigenverantwortung ist deshalb für die Freien Systemischen Aufstellungen eine wichtige Voraussetzung. Sie bietet einen Selbstschutz sowohl für die aufstellende Person als auch für die Stellvertreter. Die Aufstellungen sind nur so intensiv, wie es für die aufstellende Person selbst stimmt. Lösungen zeigen sich nur so weit wie sie tragbar sind. Für die Stellvertreter erleichtert sowohl die Eigenverantwortung als auch die freie Aufstellungsform den Umgang mit den übernommenen Rollen. Beim Freien Aufstellen wird die Grenze eines jeden Teilnehmers geachtet und somit auch seine menschliche Würde.

Arbeitet ein Aufstellungsleiter wirklich »frei«?

Zitat von Olaf Jacobsen aus dem Artikel »Frei ist nicht gleich frei – Was meint eigentlich «das Freie Aufstellen»?« aus »Systemische Aufstellungspraxis« Heft 1/2007:

Test

»Wenn ich eine von jemand Anderem organisierte Aufstellungsveranstaltung besuche und die Frage stelle: 'Darf hier die aufstellende Person jederzeit spontane Wünsche äußern und um Durchführung bitten, neugierig Experimente mit den Repräsentanten einleiten oder sich schützend den Repräsentanten und der gesamten Gruppe Grenzen setzen, – ohne einen Widerspruch zu ernten, ohne über eine negative Wirkung belehrt zu werden und ohne die spiegelnde Unterstützung der Gruppe zu verlieren?' und die Antwort lautet darauf: 'Es hat keinen Raum oder könnte Komplikationen auslösen oder ist aus anderen Gründen nicht zu empfehlen', dann entspricht nach meiner Definition die angebotene Aufstellungsform nicht wirklich der Freien Aufstellung. Nur wer den Raum hat, jederzeit und ohne Abwertungen Anderer seine eigene Aufstellung so zu nutzen, wie er selbst es gerade möchte, ist in diesem hier dargestellten Sinne 'frei'.«

© Jacqueline Jacobsen. Alle Rechte liegen bei der Autorin.
Veröffentlicht am 20.11.2007, zuletzt geändert am 25.02.2011.

Literatur

Adressen zum Thema »Freie Systemische Aufstellungen«

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