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Lexikon der Therapie- und Diagnoseformen

Klärungsorientierte Psychotherapie

Von Norman Ehlert, Hattingen/Witten/Werl

Die Klärungsorientierte Therapie wurde in Deutschland von dem Bochumer Professor Rainer Sachse entwickelt.
Sie stellt eine Weiterentwicklung der Gesprächspsychotherapie nach Rogers dar und enthält wichtige Elemente der kognitiven Therapie. Die Klärungsorientierte Therapie ist eine der effektivsten Therapierichtungen, um an negative Grundüberzeugungen (Schemata) zu gelangen und diese zu verändern.
Beispiele für negative Schemata sind: ?Ich bin nicht liebenswert!?, ?Ich bin hilflos!? usw. Im NLP gibt es dafür den Begriff der Kernglaubenssätze.
Die negativen Schemata allein zu verändern ist meist sehr schwierig bis nicht möglich.

Das hat mehrere Gründe:

1. Ein Klient hat allein nicht die Kapazitäten, inhaltlich sein Schema zu bearbeiten und gleichzeitig den Prozess der Schemaklärung zu steuern.

2. Wenn ein Schema aktiviert ist, dann steuert es die weitere Informationsverarbeitung und der Klient schafft es allein nicht, das Schema infrage zu stellen, weil dann der negative Zustand die weitere Informationsverarbeitung kontrolliert. Dann an Ressourcen zu gelangen, um das Schema zu verändern, ist schwierig.

3. Ein Klient vermeidet oft, sich sein Schema näher anzuschauen, immerhin hat er die Erfahrung gemacht, dass dann negative Gefühle entstehen und diese möchte er nicht weiter erleben. Daher vermeidet er die erforderliche Konfrontation mit seinem Schema.

4. Ein Klient weiß oft nicht, wie man konstruktiv Probleme löst; dass man sich ein Problem ganz genau anschaut; versucht genau zu verstehen, was das Problem ausmacht; sich alle relevanten Aspekte des Problems anschaut usw. Der Therapeut hingegen ist Fachmann, für die Art des Problemlösens. Wenn ein Klient zum Beispiel sagt, ?Ich habe Angst!? dann fragt der Therapeut genau nach, wovor, wie sich genau die Angst äußert usw. Ein Klient würde eventuell gar nicht so weit gehen.

5. Selbst wenn das Schema geklärt ist, dann weiß der Klient noch nicht, wie er es verändern kann – sonst hätte er dieses Problem nicht mehr! Hier ist die Anforderung an den Therapeuten, während das Schema aktiviert ist, mit dem Klienten ?Gegenbeweise? zu finden, neue Erfahrungen, die gegen das alte Schema sprechen. Mit dem Klienten muss die Entstehung des Schemas betrachtet werden – meist entsteht es in der Kindheit, wenn sich ein Mensch noch nicht gegen negative Bewertungen wehren kann – und seine heutige Gültigkeit infrage stellen.

Ein Klärungsorientierter Therapeut weiß, wie er mit bestimmten Vermeidungen des Klienten umgehen kann. Er weiß, dass Klienten oft um ?heiße Stellen? ?herumschleichen? und ausweichen und wie er seine Klienten dann wieder an das Schema zurückführt.
Der Unterschied zur Kognitiven Therapie besteht darin, dass nicht nur rein ?rational? vernünftig das alte Schema ?wegdiskutiert? wird, was nicht ausreicht, sondern dass es auch emotionale und motivationale Strategien gibt, um sich gegen das alte Schema ?aufzulehnen?.

Eine motivationale Strategie ist die Verwendung eines zweiten Stuhles (wie in der Gestalttherapie). Der Klient soll sich dann unter Anleitung des Therapeuten auf den zweiten Stuhl setzen und (nachdem das Schema geklärt ist) sich gegen das alte Schema ?auflehnen?. Das bedeutet, er sagt dem ?Schema? auf dem anderen Stuhl, dass es heute keine Gültigkeit mehr hat, dass er ?keine Lust? mehr auf dieses Schema hat usw. Es geht dabei nicht darum, den Klienten zu emotionalisieren, sondern ein Gegengewicht, einen Gegendruck zur Macht des alten Schemas aufzubauen. Durch einen Stuhlwechsel setzt sich der Klient wieder in den anderen Stuhl und spürt hinein, was von der Argumentation ?angekommen? ist und wo noch Zweifel und Ängste bestehen.
Dann wird diese Abfolge wiederholt - oft ist es hilfreich, dass der Therapeut den Klienten gegen sein altes Schema ?aufwiegelt?, ihn anstachelt, seinem Schema zu trotzen, um es endlich loswerden zu können.

Durch diese Methode beginnt der Klient langsam, sein altes Schema mit neuen Erfahrungen zu verbinden und zu differenzieren, was damals und was heute passiert. Er lernt, dass – auch wenn alte Gefühle kommen – er heute sich bestimmte Abwertungen usw. nicht mehr gefallen lassen braucht, dass er völlig o.k. ist, auch wenn er in seiner Biographie andere Botschaften erhalten hat.
Durch diese Stuhltechnik beginnt der Klient auch zunehmend im Alltag, im ?inneren Dialog? die alten Muster infrage zu stellen, positive Erfahrungen wahrzunehmen und dadurch alte Schemata immer schwächer werden zu lassen.

Autor: Norman Ehlert, Hattingen/Witten/Werl.

Siehe auch: Neurolinguistisches Programmieren (NLP)

Veröffentlicht am 04.10.2006, zuletzt geändert am 13.05.2015.

Literatur

Adressen zum Thema »Klärungsorientierte Psychotherapie«

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