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Lexikon der Therapie- und Diagnoseformen

Prozessorientierte Wachkoma-Arbeit

Autor: Peter Ammann, Friedrich-Ebert-Str. 55, 42103 Wuppertal
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Prozessorientierte Wachkoma-Arbeit ist ein Anwendungsbereich der von Arnold Mindell in den siebziger Jahren entwickelten prozessorientierten Psychologie oder »Prozessarbeit«. Sie geht von einem veränderten Zustand des Bewusstseins eines Komapatienten aus, in dem er seine Umgebung – selbst in tiefstem Koma oder auch unter künstlicher Beatmung – weiterhin wahrnimmt. Die betroffenen Menschen fühlen sich daher oft desorientiert und allein, wie viele ehemalige Komapatienten berichten. Mindell und seine Frau haben daher Konzepte und Methoden entwickelt, um mit Menschen im Wachkoma Kontakt aufzunehmen und mit ihnen über Ja-/Nein-Fragen zu kommunizieren. Aus einem Koma erwachte Menschen zeugen in Ihren Berichten davon, wie bedeutsam die während des Komas gemachten Erfahrungen für ihr Leben waren. Aber auch davon, wie nicht verarbeitete Prozesse selbst nach Jahren in Form von psychischen Beeinträchtigungen oder Somatisierungen fortbestehen können.

Aus diesem Grund benötigen Komapatienten neben der medizinischen Versorgung auch psychologische oder »spirituelle« Begleitung. In einer solchen Begleitung geht es nicht vorrangig darum, den Komapatienten aus diesem Zustand herauszuholen oder ihn aufzufordern, sich nach außen zu beziehen. Es geht vielmehr darum, sich aktiv auf den Bewusstseinszustand und die inneren Erfahrungen des Komapatienten zu beziehen, ihn in diesen Erfahrungen zu unterstützen und ihm zu helfen, diesen Prozess zu entfalten, wo auch immer er hinführt. In vielen Fällen kann diese Arbeit Menschen unterstützen, wieder aus dem Koma zu erwachen. Es kann aber auch darum gehen, Menschen auf ihrem Weg in den Tod zu begleiten.

In der Prozessarbeit werden alle noch so kleinen Signale des Patienten als bedeutsam und als potentieller Ausdruck einer nach Bewusstsein strebenden Erfahrung gewertet. Dies können minimale Bewegungen, Muskelreaktionen, Atemgeräusche, aber auch Veränderungen der Hautfarbe sein. So werden auch die kleinsten Signale als Träger von Information des Patienten vom Therapeuten achtsam wahrgenommen und dem Patienten verbal bestärkend rückgemeldet, da auch das Gehör bei einem Komapatienten intakt ist. Der Patient wird dadurch vom Therapeuten ermutigt und unterstützt, seinen inneren Erfahrungen in allen Sinnen zu vertrauen und ihnen zu folgen.

Auf diese Weise hilft die prozessorientierte Wachkoma-Arbeit, mit Menschen in solch stark veränderten Bewusstseinszuständen zu kommunizieren, sie in die Behandlung und in anstehende Entscheidungen mit einzubeziehen und sie auf ihrer »inneren Reise« zu unterstützen. Die Annahmen und Vorgehensweisen der prozessorientierten Wachkoma-Arbeit fördern die Genesung auch bei vielen anderen zurückgezogenen Zuständen wie Delirum oder Formen der Demenz. Sie ist eine Ergänzung zu der stets vorrangigen und grundlegenden intensivmedizinischen Behandlung von Menschen im Koma.

© Peter Ammann. Alle Rechte liegen beim Autor.
Veröffentlicht am 18.09.2007, zuletzt geändert am 26.02.2011.

Literatur

Adressen zum Thema »Prozessorientierte Wachkoma-Arbeit«

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